Samstag, 27. Februar 2010

Die Arbeitswoche

Heute gibt es mal wieder was neues von der Arbeit. Nachdem die ersten Wochen eher langweilig waren, war die letzte sehr interessant.
Seit Montag arbeite ich zusammen mit Anita in der Registratur. Sie macht den ganzen Postein- und ausgang, kopiert viel und legt neue Akten an. Als erstes habe ich gelernt wie es funktioniert, wenn eine Beschwerde ankommt. Normalerweiße kommen die Beschwerden per Post und werden dann an Annamarie, die Chief Investigatorin, weitergeleitet. Annamarie schaut sich den Fall an und entscheidet dann, welcher Investigator den Fall bearbeitet. Der ausgewählte Investigator schreibt erstmal eine Zusammenfassung und trägt den Fall dann ins Case Manangement System ein. Danach geht der Fall mit Zusammenfassung zurück an Anita, die dann eine Akte eröffnet und die eröffnete Akte zurück an den Investigator gibt. Jeder Beschwerdeführer hat eine Nummer egal wie viele Beschwerden er einreicht. Jedoch kommt es des öfteren vor, dass obwohl der Beschwerdeführer schon im System eingetragen ist, ihm eine neue Nummer zugeteilt wird. Hin- und wieder wissen die Investigator auch nicht was Vor- und was Nachname ist. Da kann dann schon ein Durcheinander entstehen. Den Durchblick hat dann meist Anita. Nachdem die Akte eröffnet ist, bekommt der Beschwerdeführer eine Mitteilung, dass an seinem Fall gearbeitet wird. Und dann gehen die Untersuchungen los bis das Problem gelöst ist oder eine sonstige Einigung erzielt ist. Das kann natürlich schon Jahre dauern. Wenn der Fall abgeschlossen ist, wird die Akte in den Aktenschrank einsortiert und bleibt dort entweder für ewig oder bis die Person eine neue Beschwerde einreicht.

Nachdem ich jetzt immer den ganzen Posteingang machen darf, kann ich die Beschwerden auch lesen. Meistens handelt es sich um Beschwerden von Gefangenen, die gerne früher entlassen werden wollen, ihr Gesuch aber abgelehnt wurde, und um Beschwerden über die Zustände in den Gefängnissen. Ich habe Fotos von den Gefängniszellen gesehen. Das kann man sich kaum vorstellen. In einer Zelle, die für 20 Personen eingerichtet ist, leben bis zu 80 Gefangene. Die Gefangenen müssen auch im Freien schlafen und wenn's regnet liegen sie halt die ganze Zeit im Nassen. Die hygienischen Zustände will ich mir jetzt lieber nicht vorstellen.
Weitere Beschwerden gibt es auch über Enteignungen und ausstehende Zahlungen. Außer gegen die Polizei richten sich die meisten Beschwerden gegen das Ministry of Home Affairs & Immigration, mit dem ich ja auch schon meine Erfahrungen machen durfte. Aufgrund der vielen Beschwerden wurde im Ministerium eine Großuntersuchung eingeleitet. Alle Investigators waren die ganze Woche im Ministerium unterwegs und haben die Belegschaft ausgefragt, wie es zur Unzufriedenheit der Bürger kommt und wo die Belegschaft die Probleme sieht. Daraus sollen dann Vorschläge zur Verbesserung erarbeitet werden. Am Mittwoch durfte ich mit ins Ministerium und bei den Befragungen zuhören. Die Investigator hatten sich in Teams zusammen getan und jedes Team hat unterschiedliche Abteilungen befragt. Morgens war ich in der Abteilung, die für die ganzen Visas und Aufenthaltsgenehmigungen zuständig sind. Nachdem ich das gesehen hatte, ist es kein Wunder, dass da nichts funktioniert. Die Akten liegen kreuz und quer auf Schreibtischen, Schränken und auf dem Boden und mitten drin die Pässe. Pässe verschwinden da schon mal. Der Chef der Abteilung wurde dann erstmal ausgefragt wie der Prozess bis zur Erteilung überhaupt aussieht. Alles ein sehr undurchsichtiger Prozess bei dem am Ende ein Kommitte über die endgültige Erteilung entscheidet. Das Kommitte sollte sich eigentlich wöchentlich treffen, jedoch erscheint meistens keiner, sodass es gar nicht beschlussfähig ist. Da ist es dann kein Wunder, dass manche Anträge Jahre dauern. Zum Glück hab ich ja mein Visum.

Mittags war ich dann mit einem anderen Team unterwegs. Zuerst waren wir in der IT-Abteilung. Ich hab gedacht, da sitzen jetzt ein paar Computerexperten und kümmern sich darum, dass alles läuft. Denkste! Da saßen 5 Frauen vor Bildschirmen und jede hat ein anderes Stockwerk überwacht. Auf jeden Fall haben die sich geweigert mit uns zu reden. Sie hätten von den Untersuchungen nicht gewusst, obwohl wir angekündigt waren, und wüsste nicht wie viel sie sagen dürften. Obwohl wir ihnen fast eine Stunde erklärt haben, dass es nur zu ihrem Besten ist und kein Name auftaucht, haben sie kein Wort von sich gegeben. Also ging es weiter zur Finanzabteilung. Die waren dafür sehr gesprächig. Hier mal ein paar Beschwerden:
- zu wenig Mitarbeiter, z.B. 2 Personen machen die Gehaltsabrechnungen für über 1.000 Mitarbeiter
- kein Geld für die vom Minister angeordneten Einkäufe und Projekte
- kein Computer
- keine abschließbaren Aktenschränke
- kein Auto für den Boten, der muss selbst das Geld aus der Kasse(wo man die Gebühren für Pässe, Visa etc. bezahlen muss) zu Fuß zur Bank bringen
- kein Chef seit 3 Jahren, der sich im Management Meeting für die Mitarbeiter einsetzen kann
- keine funktionierende Klimaanlage

Der letzte Punkt war für mich auch der Grund am nächsten Tag dankend abzulehnen nochmal mitzugehen. Ich wär dort mittags echt fast umgekippt so heiß ist es dort. Klimaanlagen gibt es nur in den Büros der Chefs und die waren rein zufällig alle in dieser Woche auf einem 2 tägigen Workshop.

Außerdem hab ich diese Woche noch die Gehaltsabrechnungen für die Mitarbeiter vom Ombudsman einkuvertieren dürfen. Das war sehr interessant, da ich sie mir natürlich auch angeschaut hab. Mit meinen Anwärterbezügen bin ich in dem Büro am 4. besten bezahlt. Nur der Chef Investigator bekommt mehr als ich. Und natürlich der Ombudsman, Director und Deputy Director. Deren Gehaltsabrechnungen kommen allerdings schon verschlossen bei uns an, sodass ich da keien Ahnung hab, was die verdienen. Auch die ganzen Abzüge hab ich nicht so ganz verstanden, aber viel war da am Ende nicht mehr übrig.

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