Angefangen hat es bereits Freitag Mittag, wie ich ja bereits berichtet habe. Die freie Zeit habe ich genutzt um etwas im Liegestuhl am Pool zu entspannen.
Samstag habe ich dann Domingo, den Nachtwächter und Koch des Hotels, in Katutura besucht. Zuerst hab ich gedacht, dass es nichts wird, weil wir ausgemacht hatten, dass er mich zwischen 10 und 11 Uhr anruft. Nachdem er um 12 Uhr immernoch nicht angerufen hatte, hab ich mir schon überlegt, was ich sonst machen könnte, aber um 12.15 Uhr kam dann doch der Anruf. Also hab ich mir ein Taxi gerufen und bin ab nach Katutura. Am Ende der geteerten Straße hat Domingo auf mich gewartet und wir sind in Richtung seines Hauses gelaufen. Zuerst sind wir an der Kirche vorbei gekommen, in der gerade eine Chorprobe statt gefunden hat.

Dann ging es weiter zu seinem Haus. Dieses Teil von Katutra hat keine Elektrizität und Wasserleitungen. Die Menschen helfen sich mit Generatoren aus. Außerdem gibt es Wasserstellen an denen man mit einer Art Geldkarte Wasser holen kann und an fast jeder Ecke eine Dusche. Toiletten werden von der Stadt zur Verfügung gestellt, aber bis dorthin ist es doch ein recht weites Stück zu laufen, sodass man doch den Busch benutzt.
Dusche

Wasserstelle(das Zahlungssystem war ausgefallen, sodass es gerade Wasser umsonst gab)

Zuerst hat mir Domingo sein Haus gezeigt. Das Grundstück hat er für 1500NAD gekauft, das alte Haus abgerissen und ein neues gebaut. Es gibt ein Wohn- und ein Schlafzimmer und nochmal ein Zimmer, dass er vermietet. In der Gegend war es eines der besseren Häuser.
vorne der Teil von Katutura und im Hintergrund die City

Dort sprangen schonmal 5 Kinder rum, die alle irgendwie mit ihm verwandt sind.
Auch sonst hat man meistens nur Kinder rumspringen gesehen. Die Frauen waren alle beschäftigt ihre Haare zu frisieren und die Männer waren in den Shebeens, wo sie bereits mittags um 14Uhr betrunken waren. Ich war für eine Weile auch in einer Shebeen, wo wir etwas tanzten. Shebeen

Ansonsten hat er mir noch viel erzählt, über die Schule, Arbeit usw. Bevor wir zurück ins Hotel sind, Domingo musste zur Arbeit, haben wir noch eine Bruder und eine Schwester besucht.
Domingo 2.v.l. und männliche Familienangehörige

Am Sonntag war dann Unabhängigkeitstag, der 20.! Die große Feierlichkeit fand im Independence Stadion statt. Da musste ich natürlich auch hin. Also stand ich um 5.45 Uhr auf um auch ja einen Sitzplatz zu bekommen. Da Domingo auch hinwollte, bin ich mit ihm hingefahren. Auf dem Weg stieg noch ein nettes Pärchen, Jennifer und Joseph, dazu. Als wir am Stadion ankamen, hatte sich vor den Toren schon eine riesige Schlange gebildet, in die wir uns einreihten. Nach kurzer Zeit erfuhren wir, dass es eine extra Schlange für Frauen und Kinder gibt. Also habe ich mich mit Jennifer dort eingereiht, diese war auch um einiges kürzer.
Jennifer beim Warten in der Schlange

Da mir gesagt wurde, dass es im Stadion nichts zu essen und zu trinken gibt, hab ich mir schnell an den Ständen vor dem Stadion was gekauft. Nach einer guten halben Stunde warten, sahen wir dann auch die Einlasstore. Dort ging dann der schlimme Teil los. Aus der schönen Reihe wurde eine Masse, die versuchte durch das Tor zu quetschen. Von hinten drängte die Masse, von vorne der Polizist am Einlass und die Männer, die einfach nicht kapierten, dass dieses Tor nicht für sie war und wieder zurück geschickt wurden. Und zwischen den Massen die ganzen Kinder von ca. 7-10Jahren und Mütter mit Babys. Man konnte sich echt keinen Milimeter bewegen. So stand ich dann nochmal eine halbe Stunde krampfhaft versucht nicht umzufallen. Dann war ich endlich am Tor, durfte meine Tasche kurz zur Insepektion auf machen und ins Stadion. Erstmal bekam ich dann ein Programmheft und ein kostenloses Essen(Reis und Lamm) mit einer Dose Cola. Die T-Shirts waren leider schon alle weg.
Im Stadion haben Jennifer und ich uns ein schönen Platz gesucht, die leider alle in der knallen Sonne waren. Die Plätze unterm Dach im Schatten waren für die geladenen Gäste reserviert. Bis zum Anfang des offiziellen Programms spielte eine Band afrikanische Musik. Immer wenn eine dicke Limousine ankam, wurde durch die Lautsprecher verkündet, wer gerade angekommen ist. Zwischendrin drehten auch mal die verschiedenen Völker Namibias in ihren traditionellen Gewändern eine Runde. Gegen 10 Uhr marschierte dann die Armee ein.


Dann traf der ehemalige, erste Präsident Namibias, Sam Nujoma ein. Und plötzlich fing das ganze Stadion an zu tanzen und zu singen. Das war beeindruckend.

Als Höhepunkt fuhr dann der Präsident Hifikepunye Pohama ein und drehte eine Runde in seinem Auto.

Dann ging der offizielle Teil des Programmes los. Zuerst wurde das namibische Feuer entzündet und die ganzen geladenen Gäste begrüßt, darunter unter anderem Robert Mugabe und Jacob Zuma, sowie weitere Präsidenten und ähnliches aus Botswana, Sambia, Kongo, Tansania, Mosambik, Angola, Kuba und Delegationen der EU und China, sowie der spanische Außenminister. Auch Martti Ahtisaari, ehemaliger UNO Beauftragter für Namibia, der viel für Namibias Unabhängigkeit geleistet hat, war anwesend.
Anschließend wurden 21 Salutschüsse abgegeben, was erstmal ein Schrecken im Publikum auslöste, da niemand darauf vorbereitet war. Weiter ging es mit der Insepektion der Armeeparade und einem Gebet.
Fackelträger

Der Höhepunkt war dann die Einschwörung des Präsidenten in seine zweite Amtszeit. Außerdem wurde noch der Premierminister und sein Vize benannt. Die Armee durfte dann wieder abtreten und der Präsident seine erste Amtssprache in der neuen Amtszeit halten. Die ging überraschendwerweise nur 30min, ich hätte mit viel mehr gerechnet. Aber vielleicht hatte er auch einfach nur Hunger. Denn danach gingen die ganzen geladenen Gäste zum Mittagessen. Davor musste aber noch die African Union Hymne und die Nationalhymne gesungen werden. Sobald die geladenen Gäste weg waren, stürmte das Volk los, über das Feld und die Ränge zu den schattigen Plätzen. Nachdem sich die Lage dann wieder etwas beruhigt hatte, jeder einen schattigen Platz hatte oder auf dem Heimweg war, ging es mit Musik weiter. Aber das war dann langweilig und bis zum Feuerwerk am Abend war es uns dann doch zu lange zu warten. Also bin ich mit Jennifer und ihrem Freund mit dem Taxi wieder zurück. Domingo hat es übrigens nie ins Stadion geschafft. Es gab irgendwelchen Stress mit ein paar Leuten und der Polizei, hat er mir dann abends erklärt. Auf jeden Fall war es ein eimaliges Erlebnis, das ich noch ein paar Tage spüren werde, da ich einen schönen Sonnenbrand bekommen habe.
Da Independence Day auf einen Sonntag gefallen ist, war heute auch noch frei. Sonst hätte man von dem Feiertag ja gar nichts. Eigentlich wollte ich Lutz, der mit mir auf der Reise war, am Lake Oanob besuchen. Da ich aber noch so müde vom Tag zuvor war, hab ich beschlossen einen faulen Tag einzulegen. Vormittags saß ich am Pool und hab gelesen und mittags war ich dann im Café am Zoopark und hab ein Eis gegessen. Jetzt bin ich fit für eine weiter Arbeitswoche.
Hey,
AntwortenLöschendas hört sich ja superspannend an! Klasse, dass du das miterleben durftest.
Auch dein Bericht zu deiner großen Reise war sehr spannend und ich habe ihn gern gelesen. Nur weiter so!
Hat Namibia irgendwelche Kommunistischen Wurzeln oder wieso ist ausgerechnet Kuba dabei gewesen?
Hat Antisaari nicht gerade erst den Friendesnobelpreis gekriegt?
Ich wünsch dir noch viel Spaß, nicht zu viel Langeweile beim Arbeiten und gute Erhohlung von dem Sonnenbrand,
Grüße
Jo