Sonntag, 28. März 2010

Heimat

Dieses Wochenende war ich auf Heimat. Heimat ist eine Farm ca. 2h Fahrt von Windhoek, die von Marianne und Rainer Seifart, einem deutschsprachigen Ehepaar, betrieben wird.
Am Freitag Mittag wurde ich im Büro von Rainer abgeholt und es ging los. Zuerst haben wir noch seine Tochter im Internat abgeholt und ein paar Einkäufe erledigt. Die Fahrt war größtenteils auf Schotterstraßen, für mich die ersten größeren Entfernungen auf diesen Straßen. Aber außer dass es lauter ist, habe ich so gut wie keinen Unterschied zu den geteerten Straßen bemerkt.
Auf der Farm wurde ich dann gleich von Marianne begrüßt und in mein Zimmer gebracht. Seifarts haben noch einen kleinen Gästebetrieb mit 5 Zimmern. Dann wurde ich auch gleich in die Farmarbeit eingeführt. Marianne hat mir ihre 400 Schafe und Ziegen gezeigt und dann durfte ich beim Ohrmarken befestigen bei den Jungkühen zuschauen. Die Kühe wurden in einen engen Gang getrieben an dessen Ende sich eine Kopfschere befindet. Dort wurden die Kühe dann festgehalten und die Marke ins Ohr gemacht. Die Marken sind nach europäischem Standard, da viel in die EU exportiert wird. Nur hab ich noch nie namibisches Rindfleisch in einem Supermarkt gefunden. Wo das wohl verkauft wird? Die Kühe haben mir schon etwas Leid getan in ihrem engen Gang, wo sie sich gegenseitig fast zerquetscht haben. Aber das gehört halt zur Farmarbeit dazu.

Um 18 Uhr hat Rainer den Farmladen aufgemacht.

Dort können die Farmarbeiter das Wichtigste kaufen, da die nächste Einkaufsmöglichkeit 50 km entfernt ist. Die Arbeiter haben vor allem Waschpulver, Mehl, Zucker und Süßigkeiten gekauft. Man hat sehr schnell gemerkt, dass sie nicht voraus planen können, da alle mindestens 3x im Laden waren bis sie alles hatten. Rainer hat mir dann erzählt, dass er wöchentlich zahlt, da die Arbeiter nicht voraus planen können und dass er den Zucker auf 2,5kg pro Arbeiter pro Woche begrenzt, da sie sonst das Trinken anfangen.

Abends haben wir gemeinsam gegessen und dann eine Dokumentation über Farmen angeschaut. Es ging vor allem um die schwarzen Farmer, die nach der Landreform eigene Farmen erhalten haben. Diese Farmer sind meistens Wochenendefarmer und haben noch einen Job in Windhoek. Daher sind die Farmen nicht produktiv und es gibt viele Probleme. Gegen Ratschläge sind sie resistent und wollen immer nur Geld sehen. Ausnahmen gibt es natürlich immer.

Am Samstag Morgen hat Marianne die Strauße gefüttert. Dabei hab ich viel interessantes über Strauße erfahren. Strauße haben zum Beispiel kein Knochenmark und wenn sie sich daher ein Bein brechen, bedeutet das ihr Todesurteil.

Anschließend bin ich mit Rainer über die Farm gefahren. Er musste nach den Wasserleitungen und -tanks schauen und hat mich mitgenommen. Dabei hat er natürlich wieder viel interessantes erzählt. Diese Wasserpumpe hier fördert Wasser aus 130m Tiefe. Auf der Fahrt hab ich auch noch ein paar Kudus und Schakale oder so was ähnliches gesehen, die wild auf dem Farmgebiet leben.

Mittags kamen dann zwei weitere Gäste an. Zuerst haben wir das Familienmuseum angeschaut. Rainers Mutter konnte nichts wegschmeißen und so sammelte sich alles mögliche. Daraus hat Rainer ein Museum gemacht und auch von anderen noch viel dazu bekommen. Dort gibt es alles von diesem alten Radio mit integrierter Bar,
über Telefone, Schalplattenspieler, Landkarten, altes Glas und Konservendosen, Spielzeug und Medikamente, bis zum Würfelbecher aus Kuduhoden.

Mit den Gästen ging es abends dann zum Sundowner Braai mitten auf eine Weide. Wir sind mit dem Eselwagen hingefahren. Das sieht lustiger aus als es ist. Über die Steine zu fahren, war doch ganzschön unbequem.

Dafür wurden wir mit einem schönen Sonnenuntergang entschädigt.


Hier hat Rainer für uns dann gegrillt.

Es gab Elefantenrüssel, Impala, Lamm, Doerrworst und Bratkartoffeln. Die Zubereitung dauert immer sehr lange. Erstens braucht das Holz natürlich bis es eine schöne Glut gibt und dann hatten wir auch Unmengen an Fleisch, das gegrillt werden musste. Solange hat uns Rainer wieder viel erzählt. Vor allem von der CMT, wo ich ihn auch kennengelernt hatte. Dort ist er dieses Jahr zum 2. Mal gewesen und war sehr zufrieden.
Dann war das Essen auch endlich fertig. Es war total lecker, wie eigentlich immer hier. Und für alle die wissen wollen wie Elefantenrüssel schmeckt, muss ich sagen, ich weiß es nicht. Das ist einfach nur ein Spaß, den Rainer immer mit seinen Gästen macht. Es war nur Kudu. Elefantenrüssel kann auch nicht wirklich schmecken, da das ja nur Sehne und Muskel ist.
Zum Abschluss gab es dann noch eine Erklärung der Sternenbilder. Leider war fast Vollmond und es zu hell um alles zu sehen. Aber wir haben das Kreuz des Südens gesehen und ich weiß jetzt wie man damit berechnen kann, wo Süden ist. Außerdem gab es den umgekippten Einkaufswagen, der Teil des Orion ist, und den Mars zu sehen. Ich war ganz stolz auf mich, dass ich das alles auch erkannt habe.

Heute gab es dann die Farmrundfahrt. Zuerst haben wir gesehen wo die Farmarbeiter leben.

Dort hat uns Rainer viel über die Lebensweise der Schwarzen erzählt. Von ihren Toilettengewohnheiten und Hygiene bis zu dem Versuch ihnen als Hobby das Fußball spielen schmackhaft zu machen.

Weiter ging es über die Farm zu einer Herde.

Er hat ca. 200 Kühe, 160 Kälber, 5 Bullen und dann noch 600 Ziegen und Schafe. Die Farm ,5.300 ha groß, ist in 40 sogenannte Camps unterteilt, in denen die Rinder weiden. Da man nicht überweiden darf, müssen die Herden alle paar Wochen in ein anderes Camp getrieben werden. Dieses Jahr war ein recht gutes Regenjahr, sodass Rainer sehr zufrieden mit dem Gras und seinen Rindern ist. Aber man weiß ja nie, was im nächsten Jahr kommt. Er hat uns dann noch ein bisschen über die Rasse und das Zusatzfutter erklärt.

Letzter Punkt unserer Rundfahrt war der Grenzzaun zu Nachbarfarm. Dort haben wir dann eine Einführung in die verschiedenen Gräser und Büsche bekommen.


Nach 3h Farmrundfahrt und Tonnen an Informationen, die ich mir alle nicht annähernd merken konnte, waren wir wieder zurück am Haus. Ich kann allen, die nach Namibia kommen nur empfehlen auf Farm Heimat einen Abstecher zu machen und sich alles persönlich erklären zu lassen. Wir wollten uns am Ende der Rundfahrt schon fast selber eine Farm kaufen, der Preis hat uns dann aber doch abgehalten. 8,5 Millionen namibische Dollar waren uns doch zu viel.

Zurück bin ich dann mit den beiden anderen Gästen nach Windhoek. Wir haben eine landschaftlich schöne Strecke gewählt und nicht die direkte Route. Es war wirklich schön, nur hier waren die Straßenverhältnisse dann doch wie man sich Afrika vorstellt. Teilweise mussten wir kleinen Seen auf der Straße ausweichen bzw durchfahren, und das ohne 4x4.

Dafür hatten wir eine schöne Aussicht und kamen an diesem Friedhof, der im Hereroaufstand gefallenen Soldaten vorbei.

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